
Dogwatching – Sozialkompetenz gibt’s nicht im Einzelzimmer
Hunde sind soziale Lebewesen. Das ist allgemein bekannt. Trotzdem scheint die Vorstellung davon, wie sich Hunde sozial zu verhalten haben, gelegentlich eher aus einem Benimmkurs für höhere Töchter zu stammen.
Bitte freundlich sein. Nicht drängeln. Nicht pöbeln. Nicht knurren. Nicht rempeln. Und wenn einer mal etwas deutlicher wird, ist sofort die Stimmung im Eimer.
Dummerweise haben Hunde von diesen gesellschaftlichen Erwartungen offenbar nichts mitbekommen.
Die rennen nämlich. Die rempeln. Die imponieren, drohen, weichen aus, setzen Grenzen und finden manchmal, dass ihr Gegenüber ein ausgesprochen unangenehmer Zeitgenosse ist. Und gelegentlich teilen sie das auch mit.
Nicht immer leise. Nicht immer freundlich. Und schon gar nicht immer so, dass wir Menschen das auf Anhieb verstehen.
Willkommen beim Dogwatching!
Hier geht es nicht darum, dass möglichst viele Hunde möglichst harmonisch über eine Wiese hüpfen und hinterher alle beste Freunde sind.
Es geht darum, Hunde zu beobachten. Wirklich zu beobachten. Nicht nur zu schauen, ob gerade jemand spielt oder ob wir vorsichtshalber schon mal hektisch nach der Leine greifen sollten.
Wir beschäftigen uns mit Körpersprache, Ausdrucksverhalten und sozialer Kommunikation. Wir schauen genauer hin, wenn Hunde miteinander interagieren, und versuchen zu verstehen, was da eigentlich passiert.
Ist das noch Spiel? Ist das überhaupt Spiel? Warum wird der eine Hund plötzlich langsamer? Warum bleibt der andere stehen? Wer möchte Kontakt und wer hätte gerade lieber seine Ruhe? Und warum ist Knurren manchmal die deutlich bessere Alternative zum Schnappen?
Dabei stellen wir gelegentlich fest, dass das, was für uns Menschen ziemlich unhöflich aussieht, unter Hunden durchaus sinnvoll sein kann.
Aber bevor jetzt jemand denkt, wir werfen einfach acht Hunde zusammen und schauen, wer am Ende noch steht: Nein.
Die Kontakte werden fachlich begleitet und moderiert. Wir achten darauf, welche Hunde miteinander in Kontakt kommen können, wann Unterstützung nötig ist und wann wir eine Situation besser beenden.
Denn „Die regeln das unter sich“ ist kein pädagogisches Konzept. Und schon gar kein besonders gutes.
Genauso wenig sinnvoll ist es allerdings, jede Kommunikation sofort zu unterbrechen, sobald ein Hund die Stirn runzelt, die Lefze hebt oder deutlich macht, dass er auf weiteren Körperkontakt gerade herzlich wenig Lust hat.
Aggressives Verhalten gehört zum normalen Verhaltensrepertoire von Hunden. Entscheidend ist, es im jeweiligen Zusammenhang zu betrachten und angemessen darauf zu reagieren.
Und genau das üben wir beim Dogwatching.
Was erwartet euch?
- 60 Minuten fachlich moderierter Sozialkontakt
- Hunde beobachten und ihre Körpersprache verstehen lernen
- Spiel, Konflikte, Distanzverhalten und andere soziale Interaktionen einordnen
- Erkennen, wann Hunde Unterstützung brauchen und wann Kommunikation stattfinden darf
- Austausch, Fragen und fachliche Erläuterungen direkt am beobachteten Verhalten
Dabei geht es nicht darum, dass alle Hunde mit allen auskommen müssen. Manche Hunde finden andere Hunde großartig. Andere finden sie überflüssig. Und wieder andere brauchen schlicht Unterstützung dabei, Begegnungen angemessen zu bewältigen.
Das ist erst einmal keine moralische Frage. Hunde müssen schließlich auch nicht jeden mögen. Wir Menschen schaffen das bekanntlich ebenfalls nicht immer.
Für wen ist Dogwatching geeignet?
Für alle, die ihren Hund besser verstehen möchten, mehr Sicherheit in der Einschätzung von Hundebegegnungen gewinnen wollen und Lust haben, hündische Kommunikation einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Auch Hunde, die Schwierigkeiten mit Artgenossen haben, können teilnehmen. Voraussetzung ist in diesem Fall ein gut sitzender Maulkorb. Welche Kontakte für den jeweiligen Hund sinnvoll und vertretbar sind, entscheiden wir individuell. Nicht jeder Hund muss dabei zwangsläufig direkten Kontakt haben.
Organisatorisches
Dauer: 60 Minuten
Ort: Eddi Park
Kosten: 25 Euro pro Termin
Anmeldung: Schreibt mir eine Nachricht oder meldet euch telefonisch unter 0151 61443000.
Und keine Sorge: Euer Hund muss weder besonders höflich noch besonders beliebt sein. Er muss auch nicht mit jedem spielen wollen.
Wir beobachten Hunde, keine Kandidaten für den Friedensnobelpreis.
Denn sozial ist nicht immer höflich. Und ein Knurren zur richtigen Zeit kann ausgesprochen vernünftig sein.
Foto: Maria Brinkopp – @maryknipstdogs



